Abgeltungsteuer: Renaissance der Immobilienfonds
Die offenen Immobilienfonds erzielten 2007, trotz einer Subprime-Krise, die beste Performance seit 1995 und sind auch bei Anlegern wieder begehrt.
Während die Anleger über 14 Milliarden Euro aus Aktienfonds abzogen, wurden, laut dem Fondsverband BVI, in etwa 6,7 Milliarden Euro in offene Immobilienfonds investiert. Vor einem Jahr dagegen hatten Anleger mehrere Milliarden aus der Fondsgattung zurückgefordert.
Krise überwunden
Damals litten die Immobilienfonds unter einer schweren Vertrauenskrise, denn nachdem die Immobilienfondstochter der Deutschen Bank eine Neubewertung des "Grundbesitz-Invest" angekündigt hatte, zogen Anleger Geld ab, worauf die Rücknahme von Anteilen des Fonds ausgesetzt wurde. Kurz darauf wurden auch zwei Fonds von Kan-Am geschlossen, wo es zu teils panikartigen Verkäufen bei Immobilienfonds kam. Die Lage verbesserte sich erst, als die Branche mehr Transparenz versprach und die Neubewertung des "Grundbesitz –Invest" besser als gedacht ausfiel.
Um eine Wiederholung der Situation zu verhindern, werden künftig private und institutionelle Anleger besser voneinander getrennt. Zudem gibt es für Fondsanteilkäufe über einem Wert von einer Million Euro eine Meldepflicht und eine Kündigungsfrist von einem Jahr.
Internationalisierung der Fonds
Das Schwergewicht der Portfolios hat sich von Deutschland ins Ausland verschoben. So sind inzwischen, nach Angaben des BVI, 68 Prozent der Gelder im Ausland investiert und in Deutschland nur noch etwa 32 Prozent von (vor fünf Jahren) 58 Prozent.
Bevorzugter Auslandsmarkt ist Frankreich, dessen Anteil an Immobilien-Objekten bei 19 Prozent liegt. Auch in Großbritannien und den Niederlanden sind die Fonds stark vertreten.
5,7 Prozent Wertzuwachs
Die durchschnittliche Rendite der offenen Immo-Fonds stieg im Jahr 2007 auf 5,7 Prozent, was der höchste Wertzuwachs seit zwölf Jahren ist. Zwischen 2003 und 2005 lag die durchschnittliche Performance nur bei rund drei Prozent. Auch zahlreiche Verkaufs-Transaktionen haben zur Entwicklung beigetragen und die erzielten Erlöse lagen zum Teil deutlich über den ursprünglichen Bewertungsansätzen.
Grundbesitz-Europa
Der Deutsche-Bank-Fonds Grundbesitz Europa (einst Grundbesitz-invest), der lange Zeit in Verruf stand, profitierte von einer solchen Transaktion und hängte bei der Rendite alle anderen Fonds ab.
Luft wird dünner
Laut Experten jedoch laufen ab 2008 die Sondereffekte durch die erfolgreichen Paketverkäufe aus, wodurch es die Branche schwerer haben wird als im Vorjahr. Die Konjunkturabkühlung oder gar Rezession könnte in den USA außerdem zu Neubewertungen von Objekten führen.
Noch sind die Fonds von der Subprime-Krise kaum betroffen, denn die Hypothekenkreditkrise trifft vor allem den Wohnimmobilienmarkt, wogegen die offenen Immobilienfonds hauptsächlich in Gewerbeimmobilien-Projekte investiert sind.
Abgeltungssteuer - na und?!
Auch künftig wird die Nachfrage nach offenen Immobilienfonds anhalten, da die Fonds als Profiteure der Abgeltungssteuer gelten. Durch die Fonds erzielte Auslandserträge bleiben in Deutschland weiterhin steuerfrei, wodurch Fonds mit einem hohen Anteil von Objekten im Ausland an Beliebtheit gewinnen dürften.
Eine massive Umschichtung in Fonds, die von der Abgeltungssteuer profitieren, wäre jedoch noch nicht zu bemerken, so BVI-Präsident Wolfgang Mansfeld bei der Vorstellung der Jahresbilanz. Dies würde deutlich zeigen, dass die meisten Anleger erst im letzten Moment auf Veränderungen reagieren.